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SUMMARY:Vortrag: Gibt es ein republikanisches Modell der Demokratie?

DESCRIPTION:Prof. Dr. Andreas Niederberger (Universität Duisburg-Essen) - Gibt es ein republikanisches Modell der Demokratie?

Abstract:

Die Demokratie war seit den 1980er Jahren ein wichtiger Bezugspunkt für Beiträge zum „Republican Revival“: Sunstein verortet den Republikanismus in der aufkommenden Debatte über die deliberative Demokratie, und Pettit präsentiert die Demokratie als zweite „republikanische Form“ neben dem Verfassungsstaat. Dennoch stand die Demokratie trotz dieser Verortung lange nicht im Mittelpunkt der neueren Republikanismus-Diskussion. Die Debatte konzentrierte sich stattdessen auf Unterschiede zu liberalen Positionen in Bezug auf Freiheit, Rechtsstaatlichkeit oder Institutionen. Viele Beiträge waren kritisch gegenüber der Demokratie und sahen in ihr gar eine Form des Populismus. Sie folgten Michelmans Ansicht, dass „actual democracy is not all there is to political freedom“, und betonten stattdessen die Bedeutung der „law’s republic“.

Schon seit einiger Zeit ist jedoch eine demokratische Wende in der Republikanismus-Diskussion zu beobachten. Zahlreiche Publikationen haben republikanische Perspektiven zu zentralen Fragen der Demokratietheorie entwickelt und einige haben sogar umfassende republikanische Demokratiekonzeptionen vorgelegt. Diese Wende hat auch in der Forschung zur Geschichte des Republikanismus zu neuen Debatten geführt. Einige bestreiten, dass der Republikanismus an sich etwas Interessantes über Demokratie sagen kann, solange man ihn nicht von der historischen republikanischen Tradition trennt. Andere lehnen die Vorstellung einer einheitlichen und kohärenten Demokratieauffassung innerhalb der republikanischen Tradition ab. Sie verweisen darauf, dass die Positionen zur Demokratie die republikanische Tradition in mindestens zwei Stränge teilen, die gelegentlich als kontinental oder atlantisch bzw. als athenisch oder römisch unterschieden werden.

Diese Debatten werfen die Frage auf, ob es sinnvoll ist, von einem republikanischen Modell der Demokratie zu sprechen, oder ob es vielmehr aktuelle Demokratietheorien gibt, die von republikanischen Ideen inspiriert sind, ohne selbst republikanisch zu sein. Dieser Vortrag zeigt, dass es tatsächlich ein spezifisches republikanisches Modell der Demokratie gibt. Auch wenn republikanische Ansätze keine einheitliche Vorstellung von Demokratie teilen, gibt es zentrale Anforderungen an die Demokratie, die die republikanische Tradition von anderen politischen Denkweisen unterscheiden. Das republikanische Modell der Demokratie basiert auf einer Vorstellung von Freiheit, die die Demokratie dort begrenzt, wo sie die Freiheit gefährdet, gleichzeitig aber auch Grenzen der Freiheit anerkennt, die für die Existenz und Funktionsfähigkeit der Demokratie notwendig sind.
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