Der Re-Import der analytischen Philosophie
Fördergeber: FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung)
Einzelprojekt, Grant-DOI: 10.55776/ P34598
Laufzeit: 01.09.2021 - 31.08.2026
Bewilligungssumme: EUR 367.689,-
Projektleitung: Ursula Renz
Dieses Projekt beschäftigt sich mit einer für den deutschsprachigen Raum entscheidenden Phase in der Geschichte der analytischen Philosophie. Befeuert durch den „Export“ der Philosoph:innen des Wiener Kreises und verwandter Denkrichtungen, etablierte sich die analytische Philosophie ab den 1930er Jahren vorab im angelsächsischen Raum, wo sie seitdem eine dominierende Stellung einnimmt. Anders als z. B. im Falle der Frankfurter Schule, kehrte von den Emigrant:innen auch so gut wie niemand zurück. Es blieb einer neuen Generation vorbehalten, die analytische Philosophie im deutschsprachigen Raum wieder einzuführen.
Allerdings war dasjenige, was „re-importiert“ wurde, nicht identisch mit dem, was zuvor exportiert wurde; denn die Entwicklung der analytischen Philosophie von den ersten radikalen Thesen des Wiener Kreises bis in die sechziger Jahre ist von tiefgreifenden Transformationen und Brüchen gekennzeichnet. Neben diesen inhaltlichen Aspekten ist – so eine zentrale Arbeitshypothese in diesem Projekt – diese Tatsache des Re-Imports selbst von entscheidender Bedeutung für die Art und Weise, wie sich die analytische Philosophie in der deutschsprachigen akademischen Welt wieder etablieren konnte.
In diesem Projekt möchten wir uns anhand einer Fallstudie zu Rudolf Haller (1929–2014), der eine Schlüsselfigur für den Re-Import der analytischen Philosophie nach Österreich war, mit dieser neuartigen Perspektive auf die Geschichte der jüngeren analytischen Philosophie befassen. Nebst der Aufarbeitung von Hallers intellektueller Biografie im ersten Teilprojekt, welches auch seine organisatorischen Aktivitäten und die Bestrebungen zur Schaffung eines für die analytische Philosophie aufgeschlossenen Milieus in Österreich einbezieht, widmen sich weitere Teilprojekte der Ästhetik Hallers, seiner Wittgenstein-Rezeption sowie seinem Beitrag an der Erforschung des Wiener Kreises. Ferner möchten wir untersuchen, welche Rolle Hallers Interessen an der Geschichte der Philosophie und namentlich der österreichischen und zentraleuropäischen Vorgeschichte der analytischen Philosophie für den Re-Import der analytischen Philosophie gespielt hat.
Univ.-Prof. Dr. Ursula Renz (Projektleitung)
Fachoberinspektorin Ingeborg Röllig (Administration)
Dr. phil. Johannes Friedl
Mag. phil. Ulf Höfer
BA. BA. MA. Julia Kaidisch
Mirijam Katic
7. Mai 2026: Workshop IV Zur Historiographie der Philosophie des 20. Jahrhunderts
13. November 2023: Worrkshop III Re-Import of Analytic Philosophy to German Speaking Academia
29./30. Juni 2023: Workshop II Re-Import of Analytic Philosophy to German Speaking Academia
13./14. Juni 2022: Workshop I Re-Import of Analytic Philosophy to German Speaking Academia
Friedl, Johannes / Höfer, Ulf / Renz, Ursula (eds.), Rudolf Haller, the Austrian Tradition and the Re-Import of Analytic Philosophy to Austria (= Grazer Philosophische Studien 101.3, 2024, Special Issue), Leiden: Brill 2025.
Friedl, Johannes / Höfer, Ulf / Renz, Ursula, “Editor's Introduction”, in: Grazer Philosophische Studien 101.3, 2024, 245-248.
Friedl, Johannes, “Haller on the Principles of Empirical Knowledge”, in: Grazer Philosophische Studien 101.3, 2024, 362-379.
Höfer, Ulf, “Haller as a Wittgenstein-Scholar”, in: Grazer Philosophische Studien 101.3, 2024, 380-407.
Kaidisch, Julia, “Wittgenstein, Danto, and Aesthetic Attitude. A Connection Found in Rudolf Haller”, in: Grazer Philosophische Studien 101.3, 2024, 432-450.
Renz, Ursula, “Non-Kantianism of Anti-Kantianism? On the Origins of Brentano's Hate-Affair with Kant and its Role in Rudolf Haller's Conception of ‘Austrian Philosophy’”, in: Grazer Philosophische Studien 101.3, 2024, 277-296.